


von Roth Institut (Sience for business)
Motivation wird häufig als innere Haltung oder persönliche Eigenschaft interpretiert. In der Realität entsteht sie jedoch als neurobiologische Reaktion auf wahrgenommene Bedingungen im Arbeitsumfeld. Entscheidend sind Erwartung, Bedeutung und die Einschätzung, ob eigenes Handeln wirksam sein kann. Das Gehirn stellt Energie nur dann bereit, wenn Ziele nachvollziehbar erscheinen, Fortschritt erkennbar ist und soziale Sicherheit erlebt wird.
Unter Unsicherheit, Kontrolle oder dauerhafter Bewertung verschieben sich diese Prozesse. Stresssysteme übernehmen die Steuerung und reduzieren Lernbereitschaft, Explorationsverhalten und Engagement. Motivation lässt sich in solchen Zuständen nicht aktiv steigern, sondern wird biologisch begrenzt. Führung beeinflusst diese Mechanismen kontinuierlich, oft ohne bewusste Absicht. Jede Zielsetzung, jedes Feedback und jede Entscheidung wirkt entweder aktivierend oder hemmend.
Motivation zeigt sich damit als Ergebnis der Art, wie Führung im Alltag gestaltet und erlebt wird. Sie ist kein individuelles Leistungsmerkmal, sondern ein Spiegel der Bedingungen, unter denen Menschen arbeiten und Zukunft als gestaltbar wahrnehmen.
Motivation wird im Gehirn zentral über das mesolimbische Dopaminsystem reguliert. Dopamin erzeugt dabei kein Glück, sondern Erwartung, Handlungsbereitschaft und Zielorientierung. Das Gehirn reagiert nicht auf Ziele an sich, sondern auf die Erwartung von Bedeutung und möglicher Belohnung. Motivation entsteht vor allem dann, wenn drei Dinge zusammenkommen: Erstens muss etwas als sinnvoll oder wichtig empfunden werden. Zweitens sollte man ungefähr einschätzen können, was am Ende passiert. Drittens braucht man das Gefühl, selbst etwas bewirken zu können. Fehlt eines dieser Dinge, lässt die Motivation nach. Das passiert automatisch im Gehirn und hat nichts damit zu tun, wie sehr sich jemand bewusst anstrengen möchte. (vgl. Schultz, 2016)
Appelle wie mehr Einsatz zeigen, Verantwortung übernehmen oder intrinsisch motiviert sein setzen beim bewussten Wollen an. Motivation wird jedoch überwiegend unbewusst reguliert noch bevor kognitive Kontrolle im Spiel ist.
Wenn Menschen unter Stress stehen, sich unsicher fühlen oder Angst haben, ausgegrenzt zu werden, übernimmt das Stresssystem im Körper die Kontrolle. Dann geht es vor allem darum, sich zu schützen. In solchen Momenten arbeitet das Gehirn anders: Signale, die sonst Neugier, Lernen und Engagement fördern, werden schwächer. Motivation lässt sich dann nicht steigern, sondern wird biologisch gehemmt. (vgl. Baik, 2020)
Motivation entsteht nicht einfach im Inneren eines Menschen. Sie entsteht durch das, was jemand in seiner Umgebung erlebt. Besonders wichtig ist dabei, ob man das Gefühl hat, selbst entscheiden zu können, etwas gut zu beherrschen und dazuzugehören. Gibt es klare Ziele und eine gute Orientierung, fällt es Menschen leichter einzuschätzen, was als Nächstes passiert. Werden Fortschritte sichtbar, entsteht das Gefühl von Kompetenz. Rückmeldungen von anderen sorgen zusätzlich für Resonanz im Gehirn. Erst unter diesen Bedingungen stellt der Körper Energie zur Verfügung. Folglich fällt es dem Menschen leichter zu handeln, zu lernen und dranzubleiben. Motivation ist also kein fester innerer Motor, sondern eine Reaktion auf das, was als sinnvoll und machbar erlebt wird. (vgl. Di Domenico & Ryan, 2017)
Führung beeinflusst Motivation nicht durch Forderungen, sondern durch die Gestaltung von Bedingungen. Ziele, Rückmeldungen und Entscheidungen können, je nachdem wie klar, nachvollziehbar und bedeutsam sie erlebt werden, motivieren oder bremsen. Oft geschieht das unbewusst. Alles, was eine Führungsperson sagt, sendet ebenso Signale an die Mitarbeitenden, wie ihr Handeln. Diese Signale wirken direkt und ständig. Deshalb ist fehlende Motivation kein persönliches Problem einzelner Menschen. Es zeigt vielmehr, wie Führung im Alltag aussieht und welche Bedingungen dort wirklich gelten. (vgl. Roth, 2020)
Unklare Ziele bewirken eher Unsicherheit, als dass sie antreiben. Wenn ständig bewertet wird, ohne dass es eine realistische Perspektive zur Entwicklung gibt, sinkt die Erwartung, dass sich der Einsatz lohnt. Zu viel Kontrolle im Alltag nimmt den Menschen das Gefühl, selbst etwas bewirken zu können. Daraus entsteht folglich Motivationsverlust. Fehlt außerdem die Rückmeldung von anderen, fühlt man sich weniger verbunden. Das wirkt sich direkt darauf aus, wie engagiert jemand ist und wie viel Bereitschaft gezeigt wird, Leistung zu erbringen. (vgl. Roth, 2020)
Führung ist dann wirksam, wenn Menschen Freiraum bekommen und nicht konstant unter Druck stehen. Dies bedeutet, dass sie sich entwickeln dürfen und nicht nur Beurteilung erfahren sollten. Wenn sie sehen, dass sie vorankommen, statt sich konstant überfordert zu fühlen, zeugt das ebenfalls von wirksamer Führung.
Das Gefühl dazuzugehören, gibt mehr Sicherheit als ständiges Vergleichen. Klare und verständliche Rahmenbedingungen motivieren mehr als permanente Überraschungen. Motivation entsteht dort, wo Menschen merken, dass sie eingebunden werden, selbst entscheiden können und ihre Zukunft mitgestalten dürfen. (vgl. Di Domenico & Ryan, 2017)
Motivation ist kein Akt des Wollens, sondern ein neurobiologisches Ergebnis. Sie entsteht durch Auslöser nicht durch Appelle. Führung wirkt immer motivierend oder demotivierend auch ohne es zu wollen. Wer Motivation fördern will, muss verstehen wie das Gehirn Bedeutung, Erwartung und Sicherheit verarbeitet. Motivation ist damit kein Soft-Skill, sondern vor allem eine Führungswirkung mit biologischer Grundlage.
(vgl. Schultz, 2016)
Quelle: Wissensjournal von Roth Institut (Science for Business)
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